Archive for Januar, 2010
Ratgeber wie „Simplify your life“ beten es vor: Ist das Dasein ungeordnet und chaotisch, räum’ auf, schmeiß’ das ganze alte Gerümpel weg. Das Großreinemachen für die Seele fängt ganz physisch und praktisch in der eigenen Wohnung an. So findet der gepeinigte Mensch angeblich wieder zu sich selbst, zu seiner ruhenden Mitte. Doch als kritischer, ja fast ständig zweifelnder Zeitgenosse, baut man einen natürlichen Schutzwall gegen solch esoterisch angehauchte Lebensratgeber mit ihrer Feng-Shui-Mentalität auf. Wer an diese vereinfachten Zusammenhänge glaubt, ist auch der Meinung, dass man in zwei Wochen zehn Kilo abnehmen kann und die Amerikaner die Mondlandung nur inszeniert haben. Doch der Schutzwall bröckelt, irgendwann bricht er. Es kann die fehlende Quittung für die Steuererklärung sein, oder die Schreibtischablage, deren maximale Stützlast vielfach überschritten wurde und die nun zusammenzubrechen und den gesamten Schreibtisch mit sich in die Tiefe zu ziehen droht. Es kann der aberwitzig gefüllte Ordner im Regal sein, der von Kontoauszügen, alten Gitarrennoten, minderwertigen Ausdrucken irgendwelcher Autobahnrouten aus dem Internet bis zu Zahnarztrechnungen, so ziemliche jeden Lebensbereich abdeckt. „Den ordne ich mal schnell!“ ist die typische, wenn gleich fatale Eingebung in solchen schwachen Momenten. Eine Kette von Ereignissen wird durch diese Unachtsamkeit in Bewegung gesetzt, die den eh schon leicht psychisch lädierten Mensch als zitterndes und verstörtes Wesen zurück lässt - von sich selbst und der Welt entfremdet, nahezu kafkaesk entstellt. Wie das geschehen kann ist leicht nachzuvollziehen. Es beginnt meist harmlos mit den Kontoauszügen, die dem unbescholtenen Bürger in regelmäßigen Abständen von den Bankiers und Bankierinen zugeschickt werden und das, obwohl er überzeugter Onlinebanking-Anhänger ist und diese alten Lappen im Vergleich zur glitzernden Onlinewelt lächerlich obsolet wirken. Ein paar davon sind im Ordner abgeheftet, aber das können nicht alle sein. Wenn, dann könnten doch alle Ausdrucke ordentlich zusammengeheftet in einem Ordner gesammelt werden. Daraufhin beginnt unaufhaltsam die fatale Handlung: Es werden sämtliche Schubladen, Kisten, Kartons und Ablageorte durchsucht, deren gemischter Inhalt im Zimmer verstreut – bei jedem Fund weiterer Kontoauszüge wird ein triumphales „Ha! Noch mehr davon!“ ausgestoßen. Bis zu dem Zeitpunkt des Eingedenkens, warum diese Auszüge eigentlich gesammelt werden müssen. Gab es nicht eine behördlich verordnete Frist zur Aufbewahrung? Waren es zehn Jahre oder zehn Monate? Oder ist das eines dieser Ammenmärchen, welche von Generation zu Generation weitergeben werden und keine Strafverfolgungsbehörde dieser Welt würde mahnend die Stimme erheben ob der entsorgten Kontoauszüge? In unserer digitalisierten Welt sammeln doch sowieso die Institutionen unserer Gesellschaft was sie an Daten in die Finger bekommen - warum also nicht auch die Banken? Die Zweifel münden in Tatenlosigkeit. Die Tatenlosigkeit mündet im Chaos. Das Zimmer verwüstet mit Unterlagen, Briefen, Prospekten, Postkarten gleicht einer sturmgepeitschten See voll Zellstoff. Der verzweifelte Versuch alles zurück zu stopfen in die Kartons und Schubladen scheitert kläglich, es will nicht mehr passen. Die natürlich erzeugte Vakuumpressung des ursprünglichen, unbedachten Hineinstopfens vergangener Zeiten wurde durch den unvorsichtigen Zugriff für immer zunichte gemacht. Zurück bleiben der Mensch und das Chaos. In der Mitte seines Zimmers hockt er auf dem Boden, umzingelt von Altlasten ist er unfähig sich zu bewegen, unfähig sich zwischen entsorgen und ordnen zu entscheiden. Doch die Verzweiflung gebiert einen Funken Hoffnung, ein zuerst abwegig erscheinender Gedanke nimmt immer mehr Kontur an. Die Hand wandert zur Hosentasche und ertastet ein Feuerzeug, mit zitternder Hand wird es hervorgekramt und betätigt. Die gelbe Flamme lodert verlockend auf. Ein irres, doch befreites Grinsen erscheint auf dem Gesicht des Gepeinigten, während er den ersten Kontoauszug entzündet.
Rico Now
Januar 31st, 2010
Genau einen Tag vor Beginn des Weltwirtschaftsforum in Davos überschattet eine Tragödie das Ereignis. Der Sicherheitschef des Spitzentreffens, Markus Reinhardt, wurde tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Bei aller Dramatik ist das möglicherweise ein Glücksfall für das Weltwirtschaftsforum: Seien wir ehrlich – was ist das für ein Sicherheitschef, der nicht mal für seine eigene Sicherheit sorgen kann?
Januar 29th, 2010
Was ist der Unterschied zwischen dem neuen iPad und einem digitalem Bilderrahmen? Der Bilderrahmen hat wenigstens einen USB-Anschluss!
Januar 28th, 2010
Eigentlich ist die Risikogruppe Lightkultur dafür bekannt nicht nur Tageslicht, sondern auch Menschen zu scheuen. Im Rahmen einer Resozialisierungstherapie findet sich das Traumpaar erstaunlicherweise äußerst öffentlich morgen Abend beim Deutschlandradio ein. Genauer beim neuen Programm DRadio Wissen und der Sendung „Redaktionskonferenz“. Was die beiden „Haifische im Becken der Apathie“ dort zu suchen haben:
Freitag, 29.1. von 18:30-20:00 Uhr LIVE bei DRadio Wissen. Stream unter: http://wissen.dradio.de/
Januar 28th, 2010
Der Kölner Stadtanzeiger und ein Kölner Wissenschaftler haben aufgedeckt, dass der Rhein viel kürzer ist, als immer angenommen wurde. Diese Rheinländer… Länge? Was ist das schon? Auf die Technik kommt es bekanntlich an. Und da ist der Rhein weiterhin ganz weit vorne. “Technisch gesehen macht der Rhein keinem anderem Fluss was vor”, so ein Flussexperte gegenüber risikogruppelightkultur.de. So lässt sich bei ganz genauer Betrachtung feststellen, dass dieser eine perfekte 3D-Optik bietet und sein Fließen nahezu 100% echt wirkt. Das Wasser plätschert mit 98 Dezibel - eine Meisterleistung deutsch-französischer Ingenieurskunst! Was sind da schon ein paar Meter?
Januar 27th, 2010
Ein gern gesehener Gast bei jeder Festlichkeit ist das Wursttoast. Das unaufdringlichen, aber elegante Äußere, das zeitlose Vierecksformat und das vollmundige Geschmacksbouquet zeichnen das Wursttoast aus. Oft spricht der Neider dem Wursttoast Klasse ab, verweist spöttisch auf das Lachstoast oder die Marmeladenschnitte, doch das Wursttoast lacht immer als letztes.
Serviervorschlag
Zubereitung (2 Personen): 2 Scheiben Toast, 2 Scheiben Wurst. Wurst AUF (nicht unter!) das Toast legen. Vorgang wiederholen. Kleiner Tipp: Wer keine Wurst mag, kann auch eine Scheibe Käse nehmen.
Januar 25th, 2010
Außenminister Westerwelle setzt sich im Vorfeld der Afghanistan-Konferenz in London für ein Aussteigerprogramm für Taliban-Kämpfer ein. Taliban, die bereit sind die Waffen niederzulegen, solle “eine wirtschaftliche und soziale Perspektive” geboten werden. Jeder Aussteiger bekomme für sich und seine Familie ein „kleines, aber feines Reihenhaus in Oer-Erkenschwick, eine Jahres-Mitgliedschaft im örtlichen Kegelverein und einen Job beim Grünflächenamt”, so Westerwelle gegenüber risikogruppelightkultur.de. Die ersten einhundert Bewerber erhalten eine Bibel gratis dazu.
Januar 24th, 2010
Der deutsche Wald ist das Sorgenkind der Nation. Das zeigt der neue Waldzustandsbericht, den Agrarministerin Ilse Aigner vorgestellt hat. „Buchen sollst du suchen“ könnte bald hölzerne Realität werden, denn ihr geht es besonders schlecht. Problembaum Buche heißt es da, denn die Hälfte des Bestands hat deutliche Schäden. Insgesamt ist der deutsche Wald weiter stark gefährdet. Das macht Angst. Was macht der Mensch, wenn eines Tages der Wald entschwunden ist? Was passiert mit prägnanten Weisheiten wie „Wie es in den Wald schallt, so schallt es hinaus“? Was macht der deutsche Fußballjournalismus ohne Waldi Hartmann? Wohin soll Thoreaus’ Walden gehen, wenn kein Wald mehr da ist? Was machen tausende mutige Feuerwehrmänner in den USA wenn keine Wald mehr brennt? Wohin schmeißen unvorsichtige Urlauber ihre glimmenden Zigarettenstummel? Werden unsere Kinder bald lila Wälder malen?
Januar 23rd, 2010
Die Vorteile einer Stehbox im Vergleich mit herkömmlichen Liegeboxen sind enorm: Wer steht, bleibt länger wach, wirkt aktiver und nimmt weniger Platz weg. Dieses Premiummodell wird in handgenähter Erstaustatterqualität geliefert.
Januar 17th, 2010
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